Akademischer Säbel

Akademisches Säbelfechten

 

Erst vergleichsweise spät in der Geschichte des akademischen Fechtens taucht der Säbel als studentische Fechtwaffe auf. Ab ca. 1750 fing man in studentischen Kreisen an systematisch die Gefährlichkeit des beliebten Fecht- Brauches herabzusetzen. Von Göttingen ausgehend verbreitete sich das Hiebfechten mit einer eigens dafür entwickelten Waffe, dem Schläger.

Man verabredete sich zum Fechten ohne daß es zuvor Beleidigungen gegeben hat, sondern zum Kräftemessen oder als Charakterprobe. Dabei wurde keine ernsthafte Beschädigung des Gegners beabsichtigt. Dieser Brauch des Mensurfechtens hat sich bis heute erhalten.

Allerdings besaß die Mensur keine ehrenreinigende Wirkung. Das heißt, Beleidigungen konnten durch ein Fechten mit dem relativ ungefährlichen Schläger nicht wieder gut gemacht werden. Der Ehrenkodex des ritterlichen Standes verlangt, daß für Beleidigungen nur durch einen tatsächlichen Einsatz des Lebens Genugtuung erlangt werden kann. Und da der Schläger eine Waffe ist, die schwere oder gar tödliche Verletzungen ausschließt, ist er zur Beilegung von Ehrenhändeln nicht geeignet.

 

Schwerer Säbel als Duellwaffe

Für Duelle, also Zweikämpfe mit ehrenreinigender Wirkung, mußte für die Studenten eine andere Waffe her. Man orientierte sich an der üblichen Duellwaffe im Offiziersstand, wo mit dem Säbel um die Ehre gefochten wurde. Der Säbel wurde in leicht abgewandelter Form  zur Duellwaffe  für Studenten, die sich  wie das gesamte gehobene Bürgertum, der Adel und die Offiziere zur satisfaktionsfähigen Gesellschaft zählten.

Militärsäbel, wie sie auch für Duelle verwendet wurden

Originale Militärsäbel des 19. Jahrhunderts. Solche Waffen wurden auch in der Freizeit zum Anzug getragen und bei Bedarf als Duellwaffe gebraucht. Die Klingen sind relativ dünn, leicht und scharf.

In studentischen Kreisen entwickelte sich aus dem üblichen  Militärsäbel der Korbsäbel. Er besteht aus einer Klinge, die den militärischen Säbelklingen gleicht und einem Korb, der so ähnlich ist wie der Korb des Schlägers, allerdings am Hiebblatt noch einen Klingenfang besitzt. Dieser Klingenfang soll verhindern, daß Hiebe allzu leicht vom Hiebblatt abrutschen und den Arm treffen. Wie der Schläger hat auch der Korbsäbel eine Schlaufe für den Zeigefinger. Bei Übungssäbeln ist der Korb als Handschutz manchmal mit gedrehter schwarzer Seide durchflochten. Bei Säbeln für scharfe Partien ist der Korb in den Farben der Verbindung verziert.

Korbsäbel einer Studentenverbindung

Der Handschutz bei diesem Korbsäbel ist in den Farben der Verbindung verziert. Deutlich zu erkennen ist der Klingenfang am Hiebblatt.

 

Verschiedene Regelwerke

Für das akademische Säbelfechten gibt es verschiedene Regelwerke. Bei allen gleich ist daß mit Hieben auf den gesamten Oberkörper, einschließlich Arme und Hände, gefochten wird. Hiebe unter der Gürtellinie gelten als regelwidrig. Die Mensur konnte fest, das heißt mit nur eingeschränkter Beinbewegung, oder fliegend sein, das heißt mit uneingeschränkter Bewegungsmöglichkeit. Je nach Schwere der Beleidigung gab es für das Duell auch unterschiedliche Schweregrade, was sich in dem Einsatz von Schutzkleidung und Bandagen ausdrückte.

Studentische Fechtwaffe, Korbsäbel, Übungssäbel

Ein Korbsäbel  zum Üben. Der Korb ist mit gedrehter schwarzer Seite umflochten, um die Hand zu schützen. Die Klinge des Übungssäbels ist dicker und stumpf, im Vergleich zum scharfen Säbel im Hintergrund.

Die Bezeichnung "Schwerer Säbel" bezog sich ursprünglich tatsächlich auf das Gewicht der Waffe, später wurde es aber üblich damit den Schweregrad des Duells zu benennen. "Schwerer Säbel" hieß wenig oder keine Schutzbekleidung, also nur zum Beispiel einen Fechthandschuh. "Leichter Säbel" hieß daß eine bestimmte Schutzkleidung erlaubt oder vorgeschrieben war. Im studentischen Säbel-Duell unterschied man drei Arten: cum, sine und sine-sine.  Das bezog sich auf das Vorhandensein von Schutzbinden und Bandagen für Ellbogen, Hals und Achsel. 

Es versteht sich von selbst, daß Hand und Arm beim Säbelfechten das erste Angriffsziel bildeten. Ein Hieb zum Unterarm führte zum sofortigen Unbrauchbarwerden der Hand, wenn dabei die Sehnen und Muskeln durchtrennt wurden. Das bedeutete Kampfunfähigkeit und das Ende des Duells. Beim studentischen Fechten mit dem Korbsäbel war der Stoß verboten.

Zwei Korbsäbel

Zwei Korbsäbel im Vergleich, vorne Übungsklinge, hinten schmalere Fechtklinge. Die Spitzen sind abgerundet, denn der Stoß war im studentischen Säbelduell verboten. Die Krümmung der Säbelklingen darf nicht mehr als 5 cm betragen.

Da der Säbel im Gegensatz zum Schläger als Duellwaffe gilt, wird er seit dem zweiten Weltkrieg nicht mehr verwendet. Allerdings gibt es sowohl in Deutschland als auch in Österreich Schülerverbindungen und vereinzelt auch andere Verbindungen, die das pennale Säbelfechten pflegen. Dabei kommen ausschließlich stumpfe Säbel nach österreichisch-ungarischer Bauart zum Einsatz.

Der Korbsäbel war in den Anfangsjahrzehnten des 20. Jahrhunderts auch eine beliebte Sportfechtwaffe, der außerhalb der studentischen Kreise ebenfalls viele Freunde fand. Es gab viele Sport- und Fechtvereine, in denen mit dem Korbsäbel gefochten wurde. Erst nach dem Ende des zweiten Weltkrieges setzte sich in Deutschland der leichtere italienische Säbel als Sportfechtwaffe durch.

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