Akademisches Fechten
Aus den studentischen Zweikampfbräuchen entstand das Akademische Fechten.
Mensur - die Fechtkunst der Studentenverbindungen
In historischer Zeit erfreuten sich Duelle in studentischen Kreisen großer Beliebtheit, was dazu führte, daß auch ohne tatsächlichen Anlaß gerne scharf gefochten wurde. Einem Duell muß traditionsgemäß immer eine Ehrverletzung vorausgehen, ansonsten gibt es dafür keinen Anlaß. Eine Zeitlang kam es deshalb zu so seltsamen Erscheinungen wie "Formalinjurien", also künstlichen Beleidigungen, um jemanden zu einem Zweikampf mit scharfen Waffen herauszufordern. Diese Situation war unbefriedigend und deshalb ging man dazu über, Zweikämpfe unter ebenbürtigen Gegnern und zu gleichen Bedingungen regelrecht zu verabreden.
Mensur - ein verabredeter Zweikampf
Diese "Mensuren" hatten aber häufig ein sehr trauriges, weil tödliches Ende für die Beteiligten, weshalb Vorkehrungen getroffen wurden um die Zweikämpfe ungefährlicher zu machen. Am Ende dieser Entwicklung steht das Akademische Fechten in seiner heutigen Form, wie es seit dem Ende des 2. Weltkrieges von vielen Studentenverbindungen und Burschenschaften im deutschen Sprachraum gepflegt wird.
Der Entwicklung aus dem Duell ist es zu verdanken, daß beim Akademischen Fechten auch heutzutage tatsächlich Blut vergossen wird. Es ist die einzige noch praktizierte Fechtweise, bei der es wirklich darum geht den Gegner zu beschädigen. Daher kostet es einige Überwindung, sich einem Gefecht mit scharfen Waffen und einem gewissen Risiko für die eigene Gesundheit zu stellen. Verständlicherweise liegt gerade darin der besondere Reiz und die besondere Bedeutung des Akademischen Fechtens.
Diese Besonderheit erfordert eine Gratwanderung zwischen dem Ziel, einerseits völlig ungefährlich zu sein und andererseits die große Spannung zu erzeugen, die ein echter Kampf mit scharfen Waffen mit sich bringt. Dieses Problem wird durch sehr aufwendige Schutzvorrichtungen in Verbindung mit einer hochspezialisierten Fechttechnik gelöst: dem Schlägerfechten.
Schlägerfechten
Beim Schlägerfechten stehen sich die beiden Kämpfer, Paukanten genannt, in einem fest definierten Abstand ("Mensur") von einer Waffenlänge frontal gegenüber. Es wird aus der sogenannten Verhängten Auslage (auch: Primauslage) begonnen, bei welcher der Waffenarm schützend über den Kopf gehalten wird. Diese Auslage dient als eine Universaldeckung und, korrekt eingenommen bewahrt sie tatsächlich vor allen regelrecht angebrachten Hieben. Die Trefferzone ist auf den Kopf reduziert, wobei Augen, Nase und Ohren oft noch extra geschützt werden. Die Waffe ist je nach Region der die Verbindung angehört ein Korbschläger oder ein Glockenschläger. Sie wiegt 1200 bis 1400 Gramm. Die Klinge dieser Waffe ist gerade und hat einen flachen Querschnitt. Sie hat keine Spitze, aber wird für die Mensur an beiden Kanten scharf geschliffen.
Hier wird die richtige Hiebtechnik für das akademische Fechten mit dem Korbschläger geübt.
Eine Partie besteht aus einem sehr formalisierten Schlagabtausch von bis zu 30 Gängen, wobei ein Gang meist aus vier Hieben besteht. Der richtige Umgang mit dem Korbschläger erfordert langes Üben. Ein Student der sich auf eine Mensur vorbereitet trainiert üblicherweise eine Stunde täglich. Nur ausreichendes Training kann ihm die Sicherheit geben, den Zweikampf unbeschädigt zu überstehen. Etwa 80 Prozent aller Mensuren verlaufen unblutig, also ohne daß eine Verletzung vorgekommen ist. Wenn ein Treffer fällt geht dieser meistens auf den oberen Teil des Kopfes, eine Körperstelle wo keine ernsthafte Schädigung eintreten kann. Es entstehen Schnittwunden in der Kopfhaut, die zwar stark bluten aber ansonsten ziemlich ungefährlich sind. Sie werden üblicherweise sofort von dem obligatorisch anwesenden Paukarzt genäht.
Kein Wettkampf sondern Selbstüberwindung
Beim Mensurfechten gibt es keinen "Sieger" oder "Verlierer" in dem Sinne, daß ein Kämpfer dem anderen überlegen ist. Es geht nicht darum, so eine Überlegenheit der einen oder der anderen Seite festzustellen, wie bei einem sportlichen Wettkampf, sondern es geht darum die Mensur in korrekter Manier durchzustehen, egal was währenddessen geschieht. Eine Partie gilt als bestanden, wenn sie in tadelloser Haltung durchgefochten wurde oder wenn der Arzt die Kampfunfähigkeit eines Paukanten festgestellt hat und deshalb der Kampf beendet wird.
Entgegen vieler vorurteiliger Meinungen macht Schlägerfechten viel Spaß und ist keinesfalls stupide, sondern sehr komplex. Es erfordert großen Einsatz die richtige Hiebtechnik zu erlernen. Allerdings ist es mit Sicherheit kein "Gesundheitssport", denn die körperliche Belastung ist sehr einseitig auf den Arm und die Hand gerichtet. Ausgleichssport und Lockerungsübungen sind unbedingt angeraten.
Pennäler-Verbindungen fechten mit dem Säbel
Eine andere Form des Akademischen Fechtens ist das pennale Säbelfechten, das in vielen Schülerverbindungen in Österreich und Deutschland ausgeübt wird. Dabei wird aus beweglicher Mensur mit stumpfen Säbeln gefochten, wobei der ganze Oberkörper gültige Trefffläche ist.
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