Fechten als moderner Wettkampfsport
Sportfechten
Das Sportfechten ist wahrscheinlich so alt wie die Fechtkunst selbst. In früheren Zeiten übte man Fechten, um sich auf die Ernstpraxis vorzubereiten. Aber wir können davon ausgehen daß allein schon das Üben so viel Freude bereitete, daß es immer auch als Selbstzweck betrieben wurde. Nur im Unterschied zum modernen Sportfechten war das Üben in früheren Zeiten stets mit dem Ernstkampf verbunden. Es wurden also keine Techniken und Taktiken geübt, die im Ernstfall tatsächlich unsinnig gewesen wären.
Fechten ist eine olympische Disziplin
Das änderte sich zu dem Zeitpunkt, als der Ernstkampf endgültig aus den Erlebensmöglichkeiten verschwand, das heißt in Europa und vor allem in Deutschland nach dem Ende des 2. Weltkrieges. Sportfechten als olympische Disziplin entwickelte sich von dem Zeitpunkt an zu einer Sportart, die nur noch bedingt etwas mit der eigentlichen Fechtkunst zu tun hatte. Dieser Entwicklung wurde vor allem durch die Einführung elektrischer Trefferanzeigen Vorschub geleistet. Die Benutzung dieser Apparate und ab den 70er Jahren der starke Einfluß von Fechttrainern und Sportmanagern, die nur auf Wettkampferfolg setzten und die hergebrachten Formen für überflüssig hielten, führten zu großen Veränderungen in der Fechtkunst.
Der logische Kernsatz des Fechtens: "Treffen, ohne getroffen zu werden" veränderte sich in "Als Erster einen gültigen Treffer setzen". Die meisten Aktionen im elektrischen Sportfechten haben zum Ziel, den Gegner zuerst zu treffen, ungeachtet dessen ob man Sekundenbruchteile später selbst getroffen wird. Tatsächlich ist Sportfechten dank der optimierten Schutzvorrichtungen völlig ungefährlich und von daher braucht keine Rücksicht darauf genommen werden, wie und wo ein Treffer fällt. Hauptsache ist, der Treffer zählt (ist gültig) gemäß Reglement. Unvorsichtige, gewaltsame oder unfechterische Aktionen, die mit einer echten Waffe nicht ausführbar wären, haben so Eingang in das Sportfechten gefunden.
Elektrisches Sportfechten wirkt auf Zuschauer oft langweilig
Interessanterweise ist es gerade dieser Umstand, der an manchen Stellen in den offiziellen Vertretungen für das olympische Sportfechten Stimmen laut werden läßt, die eine Rückkehr zu mehr klassischen Fechtweisen fordern. Der Grund: Beim Sportfechten mit elektrischer Trefferanzeige wird häufig so unkontrolliert gefochten, daß es selbst für die Kampfrichter schwierig ist die Aktionen zu analysieren und zu bewerten. Für Zuschauer ist es meistens gar nicht mehr möglich dem Geschehen zu folgen. Daher ist Sportfechten als Medienereignis unattraktiv. Das gefährdet den Fechtsport als olympische Disziplin. Klassisches Fechten hat den Vorteil, daß es auch für Zuschauer leichter nachvollziehbar ist und daher weitaus attraktiver anzuschauen.
Entwicklung im Sportfechten
In jüngster Zeit wurden deshalb wieder einige Veränderungen im FIE-Reglement vorgenommen, die eine Rückkehr zu mehr klassischen Fechtweisen erahnen lassen. So wurde unter anderem die Verweildauer der Elektro-Spitze des Floretts auf der Trefffläche verlängert, um die peitschenartigen Hiebe zu verhindern, bei denen die Flexibilität der Klingen ausgenutzt wird um die Spitze mit Schwung beispielsweise auf den Rücken des Gegners zu schleudern und damit die Trefferanzeige auszulösen. Eine Aktion die mit echten Waffen keinen Sinn machen würde.
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