Freikampf beim Fechten
Unter einem Freigefecht soll hier der Freikampf beim Fechten verstanden werden. In anderen Kampfsportarten wird es auch Sparring genannt. In älteren Fechtbüchern findet man meistens den Begriff "Assaut", aber da dieses Wort heute ungebräuchlich ist werde ich es im folgenden nicht benutzen, sondern stattdessen von Freikampf oder Freigefecht sprechen.
Ein Freigefecht zeichnet sich dadurch aus, daß die Fechter im Rahmen der vorher bekannt gemachten sportlichen Regeln nach freier Entscheidung handeln können. Sie können Ihr gesamtes technisches und taktisches Repertoire einsetzen. Im Gegensatz zu Partnerübungen oder Lektionen gibt es keine Einschränkung hinsichtlich der Aktionen.
Fechtgruß und andere Formalitäten
Es hat sich für das Freigefecht eine Tradition der Höflichkeit etabliert. Diese verlangt, daß der Gegner und falls vorhanden, Zuschauer und Kampfrichter begrüßt werden. Nach dem Gefecht wird der Gegner noch einmal gegrüßt und beide Fechter geben sich die Hand. Diese Sitte zu vernachlässigen wird als grobe Unhöflichkeit angesehen. Bei Wettkämpfen nach FIE-Reglement führt ein Unterlassen des Grußes zum Ausschluß von der Veranstaltung.
Eine weitere höfliche Geste ist es, vor dem letzten, entscheidenden Treffer bei Treffergleichstand kurz die Maske abzunehmen und noch einmal zu grüßen. Der Fechtgruß wird grundsätzlich ohne Maske ausgeführt.
Verschiedene Formen
Es gibt verschiedene Formen von Freikampf beim Fechten. Es ist wichtig, diese Formen auseinander zu halten und sich vor dem Gefecht im Klaren zu sein, welche Form des Freigefechtes man praktizieren möchte. Die Formen des Freigefechtes unterscheiden sich hauptsächlich durch die damit verbundenen Vorstellungen, über die sich beide Fechter im Klaren sein sollten. Daraus folgen bestimmte Kampfregeln, die beiden Fechtern bekannt sein sollten. Wenn es an dieser Stelle ein Ungleichgewicht oder eine Uneinigkeit gibt, wird das Gefecht nicht nur wenig Spaß machen, es kann auch gefährlich werden.
Ein Beispiel soll das veranschaulichen. Wenn der eine Fechter so kämpfen will, "als ob die Waffen scharf wären" und der andere Fechter möchte "treffen um jeden Preis", dann werden beide mit einer sehr unterschiedlichen Risikobereitschaft in jeden Waffengang gehen, was das Ergebnis des Gefechtes völlig verzerrt und eine objektive Beurteilung des Ergebnisses so gut wie unmöglich macht.
Jede der unten genannten Gefechtssituationen erfordert eigene, besondere Techniken und Taktiken. Meines Erachtens solle ein guter Fechter in der Lage sein, sich in seiner Technik und Taktik an die jeweilige Situation optimal anzupassen.
Übungsgefecht. Das eigentliche Aussault. Beide Fechter sollten nicht mit der Vorstellung von Gegnerschaft, sondern von Partnerschaft und Miteinander ein Übungsgefecht beginnen. Es soll dazu dienen, Aktionen in einem mehr wettkampfnahen Szenario auszuprobieren. Übungsgefechte können und sollten hinsichtlich ihrer Art und Zielsetzung variiert werden. Punkte oder Treffer können gezählt werden oder auch nicht.
Wettkampfgefecht. Beim Wettkampfgefecht geht es darum, den anderen Fechter im Rahmen der sportlichen Regeln zu überwältigen. Es ist ein Vergleich zwischen den Fechtern angestrebt. Gemäß Regelwerk erfolgreiche Aktionen werden in Form von Punkten oder Treffern gezählt.
Simulation eines ernsten Kampfes. Hier kämpfen beide Fechter mit der Vorstellung, "als ob die Waffen scharf wären". Diese Vorstellung wird sich sofort auf die Fechtweise auswirken. Die Risikobereitschaft sinkt und ein Waffengang wird durchschnittlich länger dauern als beim Wettkampf- oder Übungsgefecht. Die Simulation eines ernsten Kampfes ist vor allem für das historische Fechten interessant.
Ernster Kampf. Ein ernster Kampf zeichnet sich dadurch aus daß bei den Fechtern die Bereitschaft vorhanden ist, den Gegner zu beschädigen. Die verwendeten Waffen sind dementsprechend geeignet um zu verletzen. Zu einem ernsten Kampf mit scharfen Waffen wird es heute wahrscheinlich nicht kommen. Es ist heute noch mehr die Ausnahme als früher. Trotzdem gibt es Anlaß zu vermuten, daß auch in der Gegenwart in seltenen Fällen scharfe Partien gefochten werden. Allerdings erfährt die Öffentlichkeit davon nichts. Zumal heute die Duellanten nicht mit einer milderen Behandlung durch die Strafjustiz zu rechnen haben, wie es bei einem ordnungsgemäßen Duell im 19. und frühen 20. Jahrhundert der Fall war.
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