Historische Kampfkunst rekonstruieren

Historisches Fechten

Als Historisches Fechten bezeichnet man die Versuche, die Fechtweisen der Zeit zwischen dem 13. und 19. Jahrhundert zu rekonstruieren und nachzuempfinden. Die Herangehensweise besteht dabei aus

  • dem Erforschen historischer Quellen, wie Fechtlehrbücher und Beschreibungen von Kämpfen

  • dem Erforschen historischer Waffen und Rüstungen

  • dem Übertragen allgemeiner kämpferischer Prinzipien, die aus heutigen Nahkampf- und Selbstverteidigungssystemen bekannt sind

  • dem Ausprobieren und Einüben der auf diese Art rekonstruierten Kampftechniken

Heute beschäftigen sich eine Reihe von Gruppen und Einzelpersonen im In- und Ausland mit der Rekonstruktion und Ausübung historischer Fechtweisen. Probleme auf die sie dabei stoßen sind die lückenhafte Quellenlage und die Tatsache, daß es für die meisten der historischen Techniken keine ununterbrochene Tradition gibt. Es gab also Phasen in der Geschichte, in der diese Kampfkünste und die früheren Arten zu fechten fast völlig in Vergessenheit geraten waren, weil sie im Alltagsleben nicht mehr gebraucht wurden.

Mittelalter - Schaukampf zu Pferd

Schaukampf - Darstellung eines mittelalterlichen Kampfes zu Pferd

Historische Kampfkünste - wie rekonstruiert man sie?

Es gibt zwei Quellen, aus denen wir direkte Informationen über historische Kampfkünste erhalten können: Fechtbücher und Realien. Unter Realien versteht man in diesem Zusammenhang erhalten gebliebene historische Waffen und Rüstungen.

 

An historischem Fechten interessierte Gruppen und Einzelpersonen arbeiten mit historischen Fechtbüchern, indem sie die dort beschriebenen Techniken einüben und in freien Gefechten ausprobieren. Damit verbunden sind einige Schwierigkeiten. Historische Fechtbücher aus lange zurück liegenden Zeiten sind manchmal schwer zu entziffern und die Sprache ist dementsprechend altertümlich. Viele Wörter haben einen Bedeutungswandel erfahren. So ist die Übertragung der Fechtbücher in eine heute lesbare Schrift und die Frage der richtigen Bedeutung mancher Ausdrücke schon eine Quelle vieler möglicher Deutungsfehler. Auch sind die Hinterlassenschaften damaliger Meister oft lückenhaft, da vieles einfach als selbstverständlich vorausgesetzt wurde und deshalb nicht beschrieben wurde, in manchen Fechtbüchern fehlen zum Beispiel genauere Beschreibungen der Beinarbeit. Die Illustrationen in alten Fechtbüchern sind in den meisten Fällen sehr genau und sorgfältig, dennoch unterliegen sie dem künstlerischen Zeitgeschmack und auch darin liegt eine Quelle der Mehrdeutigkeit der dargestellten Kampftechniken.

 

Wenn man also historische Kampfkünste wieder beleben will, sollte man unbedingt weitere Quellen hinzuziehen. Historische Waffen und Rüstungen erzählen sehr viel über Kampftechniken. Jeder der sich ernsthaft und praktisch mit dem Erlernen von Kampfkunst beschäftigt weiß, daß jede Waffe allein durch ihre Form und ihren Aufbau eine dementsprechende Kampfweise erfordert. Aus der Beschaffenheit eines Schwertes kann man sehr genau schließen, wie mit ihm gearbeitet wurde. Parameter wie Gewicht, Länge, Aufbau des Griffes, Form und Schärfe der Klinge und Spitze, geben Auskunft über die Fechtweise. Aus diesem Grund ist es für die Rekonstruktion historischer Kampfkünste wichtig, sich mit originalen alten Waffen oder mindestens originalgetreuen Repliken zu beschäftigen.

Dennoch bleiben natürlich viele Fragen über das genaue Aussehen der historischen Kämpfe offen. Umso wichtiger ist der Austausch zwischen den Interessierten und der Wille immer weiter zu forschen.

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