Historische Übungswaffen

 

Historische Übungswaffen

Bei jeder Kampfkunst stellt sich die Frage, wie  sie zu trainieren ist mit dem Ziel

a) so realitätsnah wie möglich zu sein

b) so ungefährlich für die Übenden wie möglich zu sein.

Das Problem ist, daß sich diese beiden Ziele gegenseitig ausschließen. Trainingssicherheit ist meistens nur auf Kosten von Realitätsnähe zu erreichen und umgekehrt, je realistischer das Training wird, desto gefährlicher wird es auch. Das gilt für Kampfkünste mit Waffen ganz besonders. 

Auch die Fechter der früheren Zeiten stellten sich schon die Frage, wie kann man sich an die Bedingungen und Umstände des Ernstkampfes herantasten und sich optimal darauf vorbereiten, ohne daß die Gefahr für die Übenden schon dasselbe Niveau erreicht wie im Ernstfall?  Die historischen Waffen auf den folgenden Fotos geben Aufschluß darüber, welche verschiedenen Trainingsmittel unter anderem in Gebrauch waren.

 

Historische Säbel

Historische Trainings-Säbel

Verschiedene Modelle historischer Trainingssäbel. Die abgebildeten Säbel stammen aus der Anfangszeit des 20. Jahrhunderts.

 

Florett aus dem 18. Jahrhundert

Florett aus dem 18. Jahrhundert

Bei dieser Waffe handelt es sich um ein Florett aus dem 18. Jahrhundert. Es hat eine vierkantige Klinge, auf der die Inschrift "Solingen" zu lesen ist. Das Gefäß ist wie das eines Smallsword (=Galanteriedegen), einer im 18. Jahrhundert sehr verbreiteten Waffe. Die Klinge dieses Floretts unterscheidet sich kaum von denen, die auch heute noch in Gebrauch sind. Ein Beweis dafür, daß das Florett in der bekannten Form als Übungswaffe schon mehrere Hundert Jahre genutzt wird.

 

Deutsches Florett

Deutsches Florett, Studentische Fechtwaffe, 18. Jahrhundert

Bei der hier gezeigten Waffe handelt es sich um ein deutsches Florett aus dem 18. Jahrhundert. Das Gefäß weist einige Besonderheiten auf, die es vom französischen oder italienischen Florett (beide Formen sind auch heute noch gebräuchlich) unterscheiden. Die kleine Parierstange liegt anders als beim italienischen Florett direkt auf dem leicht glockenförmigen Stichblatt auf, so daß das Ricasso nur angedeutet ist. Diese Waffe hatte ein scharfes Gegenstück, den Stoßdegen, wie er in Duellen in Deutschland im 18. Jahrhundert verwendet wurde. Dieser Degen war vom Gefäß her genauso aufgebaut, mit einer  drei- oder sechskantigen, starren und spitzen Klinge.

 

Angespitztes Florett

Angespitztes Florett

Bei diesem Florett handelt es sich um eine besondere Übungswaffe für Duelle. Das Gefäß hat einen französischen Griff und ein Stichblatt in Brillenform. Die übliche vierkantike flexible Florettklinge ist am Ende angespitzt und es wurde eine Vorrichtung angebracht, die ein zu tiefes Eindringen der Spitze  verhindern soll. Die Vorrichtung hat in etwa die Größe einer 20-Cent-Münze. Diese Waffe stammt aus Deutschland und war gegen Ende des 19. Jahrhunderts im Gebrauch.

 

Degen mit Arret-Spitze

Degen mit Arret-Spitze

Hier ist ein Degen mit französischem Griff zu sehen, wie er als Sportwaffe bis in die 1950er Jahre in Europa üblich war. Im Unterschied zu heutigen Degen ist die Glocke gleichmäßiger geformt und der Griff befindet sich in der Mitte. Die Idee, die Glocke asymetrisch zu gestalten geht auf die italienische Fechtmeisterfamilie Greco zurück, die bereits Ende des 19. Jahrhunderts die asymetrische Degenglocke benutzten. Die Klinge trägt die Prägung der Manufaktur Klingenthal, die bis in die 60er Jahre hinein produziert hat. Vermutlich stammt dieser Degen aus der der Zeit zwischen 1910 und 1940. Die Elektrifizierung des Degenfechtens fand in den 30-er Jahren statt.

 Davor benutzte man sogenannte Arret-Spitzen, wie oben auf dem Foto zu sehen. Kleine, dreizackige  Aufsätze wurden mit gewachstem Sattlergarn auf der abgeflachten Degenspitze befestigt. Diese Methode erlebt in den USA zur Zeit ihre Wiedergeburt. Dort werden Wettkämpfe im klassischen Degenfechten wieder mit dieser "Technologie" ausgetragen. Die Arretspitzen ermöglichen ein enorm präzises Fechten und laut den Ausübenden, ein "einzigartig authentisches Fecht-Gefühl".   Der Grund dafür ist, daß die winzigen Zacken am Stoff der Fechtanzüge nicht abrutschen, sondern die Spitze beim Auftreffen regelrecht fixieren. Der Verschleiß an Fechtanzügen  ist allerdings auch etwas höher, da die Zacken den Stoff beschädigen. Die Anhänger der Arret-Spitzen sehen das jedoch durchaus positiv, nämlich als Grund, sich weniger oft treffen zu lassen.

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