Klassisches Fechten

 

Klassisches Fechten

Klassisches Fechten. Die Fechtkunst wie sie in der Zeit zwischen 1850 und ca. 1920 betrieben wurde, ist als Klassisches Fechten bekannt. In dieser Zeit existierten viele Fechtschulen und Fechten gehörte zur Grundausbildung der gebildeten Stände. 

Duelle waren üblich

Obwohl das Schwert schon lange aus dem Straßenbild verschwunden war,  (nur Militärs trugen noch eine lange Seitenwaffe zur Uniform), war es dennoch üblich sich mit dem Degen oder Säbel zu duellieren. Es gehörte zu einer gewissen Selbstverständlichkeit, daß jeder der sich als Angehöriger der gehobenen Schichten ansah, bereit war seine Ehre notfalls mit der Waffe zu verteidigen. Aus diesem Grunde nahm man vermehrt Fechtunterricht.

Florettfechten war ein Freizeitsport

In dieser Zeit wurde Florettfechten schon als Freizeitsport betrieben, auch von Damen. Dennoch achtete man darauf, daß keine Aktionen gelehrt wurden, die im Ernstfall kontraproduktiv waren. Das ist der Hauptunterschied zwischen Klassischem Fechten und Sportfechten, wie es heute meistens gelehrt wird.

 

Unterschiede zum elektrischen  Sportfechten

 Im Klassischen Fechten wird nichts geübt, was nicht auch in einem Ernstfall Sinn machen würde. Das bezieht sich vor allem auf folgende Aktionen:

  • Aktionen, bei denen ein eigenes schweres Getroffenwerden in Kauf genommen wird (Vernachlässigung der Eigensicherung)
  • Aktionen, die mit scharfen Waffen nicht ausführbar wären (zum Beispiel peitschenartige Hiebe bei denen die extreme Flexibilität der Übungsklingen ausgenutzt wird)

Floretts für klassisches FechtenDie Ausbildung im Klassischen Fechten beginnt mit dem Florett, was schon seit 400 Jahren die Übungswaffe für den Degen ist. Ursprünglich verstand man unter "Degen" immer eine scharfe Waffe, das entsprechende Übungsgerät wurde Florett, im deutschen Sprachraum manchmal auch "Stoßfechtel" oder "Stoßrapier" genannt. Erst um 1900 kam der Degen auch als abgestumpfte Sportwaffe in Gebrauch. >> Historische Übungswaffen

 

Kunst und klassische Eleganz

Klassisches Fechten ist eine Kunst, weil nicht nur auf Effizienz Wert gelegt wird, sondern auch auf eine ästhetische und korrekte Form, welche die Präzision der fechterischen Aktionen garantiert. Kennzeichen dieser Form ist der klassische Eleganzbegriff, der sich aus den Eigenschaften der Leichtigkeit, Schlichtheit und Klarheit (Vernunft, Logik)  zusammensetzt. Auf das Fechten übertragen heißt das, daß die Aktionen leicht und locker ausgeführt werden, daß sie möglichst einfach und direkt sind und daß sie vernünftig und überlegt durchgeführt werden.

 

Kampfkunst 

Klassisches Fechten ist eine Kampfkunst. Es stellt das Endprodukt einer Jahrhunderte langen Entwicklung des Fechtens mit Klingenwaffen dar, das in unzähligen ernsten Kämpfen optimiert wurde. Erfreulicherweise gibt es zur Zeit eine verstärkte Tendenz, den Kampfkunstcharakter des Fechtens wieder mehr zu betonen. In den USA ist Klassisch Fechten bereits dabei dem sogenannten "Olympic Fencing" den Rang abzulaufen. In Italien wurde die von Frankreich dominierte FIE nie wirklich als tonangebend für das Fechten betrachtet und so haben sich dort immer einige traditionelle Fechtschulen erhalten, die ihren eigenen klassisch-italienischen Stil ununterbrochen beibehielten. >> Klassische u. historische Fechtschulen in Italien

In Deutschland ist die Situation etwas anders, da hier in vielen Fechtvereinen und - Clubs traditionsgemäß ein eher klassischer Fechtstil unterrichtet wurde und die Übergänge zwischen Sportfechten und Klassisch Fechten eher fließend sind.Unterricht im Klassischen Fechten wird mittlerweile in einigen Städten Deutschlands angeboten.

Klassisches Fechten wird üblicherweise ohne elektrische Trefferanzeige gelehrt und trainiert, weil die Anzeige durch die Maschine zu sehr dazu verleitet, die Fechtweise nicht an der Sinnhaftigkeit der Aktionen auszurichten, sondern an der Effizienz mit welcher das richtige Licht zum Aufleuchten gebracht werden kann.

Wettkampf im Klassischen Fechten

In einem klassischen Assaut (Übungsgefecht) muß der Fechter, der getroffen wurde, selbst den Treffer bekannt geben. Bei Wettkämpfen wird mit Hilfe von vier Seitenrichtern juriert, von denen jeweils zwei einen Fechter beobachten. Grundsätzlich wird beim Klassischen Fechten mehr Wert auf ein Miteinander und "voneinander-Lernen" gelegt und weniger Wert auf Konkurrenz oder "besser-sein-wollen."  Siegen wollen um jeden Preis wird als schlechter Stil und als Kleingeistigkeit angesehen. Es geht mehr darum, guten Charakter und vornehme Haltung zu zeigen, egal ob man gegen einen überlegenen oder unterlegenen Gegner kämpft. 

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